Paranoia im Bienenstock

In „Bugonia“ lässt Yorgos Lanthimos Jesse Plemons und Emma Stone gegeneinander antreten, um die Menschheit vor dem Schlimmsten zu bewahren.

Ein von Verschwörungstheorien besessener Fanatiker entführt mithilfe seines vertrottelten Cousins die Chefin eines Pharmaunternehmens. Aber damit nicht genug: Die beiden Kidnapper haben es sich in den Kopf gesetzt, dass es sich bei ihrer Geisel um eine verkappte Außerirdische handelt. Mit brutalen Foltermaßnahmen planen sie die Gefangene zur Kooperation zu zwingen, um somit die Welt zu retten. Die Sache ist kompliziert.

Klingt ganz schön durchgeknallt? Vielleicht. Ganz abwegig ist es nicht. „Die Dystopie in diesem Film ist nur bedingt fiktiv“, sagte Yorgos Lanthimos nach der Premiere von Bugonia bei den Filmfestspielen in Venedig. „Vieles darin spiegelt die reale Welt wider, in der wir heute leben.“

Vor über 20 Jahren wurde das Original Save the Green Planet! – der Film des Regisseurs Jang Joon-hwan aus dem Jahr 2003, auf dem Lanthimos’ Adaption basiert – noch als drollige Horror-Groteske abgetan. Und wahrscheinlich ist es wenig hilfreich, sich um einen Vergleich zu der südkoreanische Science-Fiction-Satire zu bemühen. Als eigenständiges, modernes Gesellschaftsstück funktioniert das aufpolierte Hollywood-Remake von Lanthimos umso besser – bissig, grausam und überdreht. Der griechische Regisseur, nie um eine makabre Pointe verlegen, fügt noch den absurdesten Situationen, in denen sich seine Figuren befinden, stets einen grimmigen Lacher hinzu. Seine Gegenwartsanalyse steckt voller bizarrer Einfälle und skurrilen Galgenhumor – mit mehr als einem Funken Wahrheit dahinter. Das schmerzt und irritiert.

Jesse Plemons spielt den sozial abgeschotteten Fabrikarbeiter Teddy, der gemeinsam mit seinem gutmütigen Vetter Don (Aidan Delbis) in völliger Abschottung von der Außenwelt lebt. Gemeinsam haben sie sich ganz und gar in Terrys Paranoia eingerichtet: Das Haus, im trostlosen Nirgendwo der USA, gleicht einer heruntergekommenen Festung, die Fenster sind mit Alufolie verklebt. Teddy Leidenschaft ist das Imkern, und damit fängt das Unheil an. Denn der Tierliebhaber sorgt sich zutiefst um den merklichen Rückgang der Honigbienenpopulation, nicht nur in seinem Garten.

Terry denkt global. Die Schuld an der fortschreitenden Umweltzerstörung sieht er bei dem örtlichen Biotech-Großkonzern, der mit straffer Hand von der kaltblütigen Power-Frau Michelle Fuller (Emma Stone) geleitet wird. Ihr Unternehmen, von dem er selbst als kleiner Angestellter ausgebeutet wird, hat zudem seine Mutter (Alicia Silverstone) mit dubiosen Opioid-Entzugsmedikamenten ins Dauer-Koma versetzt. Und noch fataler: Terrys akribischen Recherchen im Internet haben ergeben, dass die toughe Chefin in Wirklichkeit vom Planeten Andromeda stammt und einer fremdartigen Spezies angehört. Um dem bösen Spiel endlich ein Ende zu bereiten, sieht Terry keinen anderen Ausweg, als die Alien-Dame zu entführen. Sein Plan ist es, auf diese Weise Zugang zum Mutterschiff der fremden Spezies zu erlangen. Nur so, glaubt er, kann es gelingen, die Erde vor dem sicheren Untergang zu bewahren.

Schon im Auto scheren die beiden Kidnapper der betäubten Geschäftsfrau den Kopf, für den Fall, dass ihre außerirdischen Herrscher sie über die Haare lokalisieren könnten. Kaum haben sie ihr wehrloses Opfer zuhause im Keller auf einer Bahre gefesselt und „neutralisiert“, beginnen sie mit der Tortur, um sie zum Reden zu bringen. Sämtliche verzweifelte Versuche seitens Michelle, sich mit kluger Argumentationskunst aus ihrer prekären Lage zu befreien, schlagen bitterlich fehl. Da kann sie noch so viele Versprechungen machen, Drohungen aussprechen oder an die vernebelte Vernunft ihrer Entführer appellieren, all das zieht bei Terry nicht. Er ist sicher, seinen Sündenbock für das Chaos, Übel und Unrecht auf der Welt gefunden zu haben. Doch so schnell gibt eine gerissene Unternehmerin wie Michelle nicht auf …

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der Printausgabe des FAQ 82

 

BUGONIA
Komödie/Krimi/Science-Fiction – Irland, Südkorea, USA 2025
Regie: Yorgos Lanthimos; Drehbuch: Will Tracy; Kamera: Robbie Ryan; Schnitt: Yorgos Mavropsaridis; Musik: Jerskion Fendrix; Production Design: James Price; Kostüm: Jennifer Johnson
Mit: Emma Stone, Jesse Plemons, Aidan Delbis, Stavros Halkias, Alicia Silverstone, Marc T. Lewis, Vanessa Eng, Fredricka Whitfield
Verleih: Universal Pictures, 118 Minuten
Kinostart: 30. Oktober 2025

 

| FAQ 82 | | Text: Pamela Jahn
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