Schwestern mit Biss

Haim gehen auf „I Quit“ aufrecht dem Erfolg entgegen.

Danielle, Este und Alana Haim © Universal Music

Momentan machen Haim gerade ihre Runde durch die Late Night Shows der amerikanischen Sender. Ihr letztes Album „Women In Music Pt. III“ brachte ihnen erste Einladungen als abschließender Musikact, aber mit dem gerade erschienenen Album „I Quit“ schaffen sie die nächste Stufe. Die drei Schwestern sind nicht mehr die Rausschmeißer, sondern selbst als Talkgäste bei Jimmy Fallon und seinen Kollegen geladen – und erregen so noch mehr Aufmerksamkeit für ihre Band. So viel, dass sie auf der Tour im Spätsommer nicht nur die Open-Air-Amphitheater der USA bespielen, sondern am 8. September auch im Madison Square Garden in New York, dem Wohnzimmer von Billy Joel, auftreten.

Foto: Terrence O’Connor © Universal Music

Aufgewachsen sind Danielle, Este und Alana Haim in Los Angeles, und das erste Instrument war das Schlagzeug, das im elterlichen Schlafzimmer stand. Die Liebe zur Musik war so stark, dass sie in einer Coverband spielten, die sich dem Werk von Fleetwood Mac und den Eagles widmete und die von ihren Eltern Mordecai und Donna angeführt wurde. Anscheinend wurden die Töchter durch diese Erfahrung nicht traumatisiert, denn Este studierte Musikethnologie mit den Schwerpunkten Brasilien und Bulgarien; Danielle tourte als grandiose, das Rampenlicht genießende Gitarristin mit Jenny Lewis und Julian Casablanca, der einst der Mittelpunkt der Strokes war. Dies führte zur Idee, es mit den Schwestern zu versuchen. Es folgte ein rasanter Aufstieg. Die ersten Songs vor mehr als zehn Jahren hatten ihre Wurzeln noch im Dance Pop, aber „I Quit“ reflektiert die Welt von Frauen in den Dreißigern, die Erfahrungen mit Männern gemacht haben, aber genug eigene Blödheiten zu verantworten haben. Im Nachhinein ist man bekanntlich immer gescheiter, und die letzten vier Achterln hätten nicht wirklich sein müssen.

Oft sind es Hymnen auf das Luftholen und das Gefühl der Freiheit, nach dem Verlassen eines Mannes, der natürlich ahnungslos war und genau so zurückbleibt. Es sind Geschichten von Frauen im 21. Jahrhundert, die sich nicht mehr nach Selbstbewusstsein und Selbstermächtigung sehnen, sondern einfach ihren Weg gehen. Und das mit einer souveränen Beherrschung aller Formen des eingängigen Gitarrenpops, die im 21. Jahrhundert möglich sind, und wenn in „Cry“ dann doch ein Hauch von Fleetwood Mac zu hören ist, dann zeigt das nur, dass Haim wissen, was ihre Songs brauchen, um zu strahlen.

Mutter Donna Haim war die Kunstlehrerin von Paul Thomas Anderson, der nicht nur für das Cover von „I Quit“ verantwortlich ist, sondern auch die Videos dreht und Alana Haim in seinen Filmen – u. a. Licorice Pizza (2021) – besetzt. Das Leben dreht sich in Kreisen und wird von Beziehungen getragen. „Relationships“ ist dann auch einer der Songs, die Playlists der nächsten Jahre prägen könnten.

Haim: „I Quit“ (Vertigo/Universal)
Live: 5. Oktober – Cardiff, 26. Oktober – Brighton, 28. Oktober – London

 

| FAQ 81 | | Text: Günther Bus Schweiger
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