Die Zürcher Designerin Stefi Talman holt einen Schuh zurück, der nie ganz verschwunden war. Ihre Hühnerfuss-Sandale von 1983 erscheint neu – als kleines, eigenwilliges Stück Designgeschichte.
Talman, 1958 geboren, gehört zu jenen Gestalterinnen, deren Arbeit sich nie bequem einordnen ließ. Nach der Schuhmacherausbildung in Winterthur begann sie Anfang der achtziger Jahre eigene Modelle zu entwerfen: weiche Ledersocken, später die Zip-Bottine mit schrägem Reissverschluss, ein Schuh, der Funktion, Form und Haltung in eine klare Linie bringt. Talmans Entwürfe waren nie laut, aber sie hatten immer etwas Unnachgiebiges. Sie wollten getragen werden, ohne sich dem Gewohnten zu unterwerfen.
Als sich der Detailhandel veränderte, verkleinerte Talman ihr Geschäftsmodell. Aus internationalem Vertrieb wurden Kleinserien, aus Wachstum wurde Konzentration. Gerade darin schärfte sich ihr Profil: Material als Gedanke, Handwerk als Methode, Alltag als Bühne.

Hühnerfuss-Sandale „Cai“, Neuauflage, 2026. Foto: Rita Palanikumar
Die nun wiederaufgelegte Sandale gehört zu den frühen Manifesten dieser Haltung. Bekannt wurde sie auch durch Meret Oppenheim, die sie in den achtziger Jahren in ihrem Atelier trug. Ein fotografisches Porträt bewahrte die Szene auf und verwandelte den Schuh in ein Bild: Surrealismus, Gebrauch, Selbstinszenierung – alles lag plötzlich nahe beieinander. Zwischen Oppenheims Pelztasse und Talmans Hühnerfussleder spannt sich eine feine Linie des Unbehagens, aber auch der Freiheit.
Die Neuauflage heisst „Cai“, Thai für Huhn, und bleibt ihrer Irritation treu. Hühnerfussleder trifft auf Ziegenleder; die schuppige Struktur zieht sich über die Zehen und macht sichtbar, was Leder sonst meist verbirgt: Herkunft, Körper, Materialität. Talman hat das Modell behutsam verändert. Die Befestigung ist präziser, die einst zweifarbige Gestaltung einer einfarbigen Lösung gewichen. Es gibt „Cai“ in hellem Olivgrün, Rot, Silbergrau und Schwarz, gefertigt in Italien, in limitierter Serie.
Dass die Wiederkehr mit dem 25-jährigen Bestehen ihrer Boutique im Zürcher Oberdorf zusammenfällt, passt. Ebenso, dass rund achtzig Modelle Talmans inzwischen im Museum für Gestaltung Zürich bewahrt werden. Ihr Werk ist Archiv geworden, aber keines hinter Glas. Es bleibt beweglich.
Vielleicht liegt darin seine eigentliche Pointe: Diese Sandale erzählt nicht von Nostalgie. Sie erzählt davon, dass ein Entwurf nach vierzig Jahren noch immer stören, verführen und gehen kann.

