Wuchtig, leicht und legendär

Text: Günther Bus Schweiger | Fotos: Press
Bryan Adams © Bryan Adams

Im Dezember sind die Städte zugekleistert mit Plakaten, die die alljährlich gleichen Weihnachtsereignisse verkaufen. Prominente Stimmen lesen Weihnachtsgeschichten zu feierlicher Musik und die Gospelchöre haben Hochsaison. Da trifft es sich ausgezeichnet, dass einer der großen einfachen Sänger und Songschreiber vorbeischaut. Wenn Bryan Adams am 15. Dezember die Bühne der Wiener Stadthalle betritt, hat er allen Grund, seine Songs von mehreren Generationen bejubeln zu lassen. Was wären Musikschulfeste ohne „Summer of 69“, „Run To You“ oder „Straight from the Heart“? Der einfache Rocker in der Lederjacke hat es geschafft, dass einige seiner Songs ins kollektive Gedächtnis übergegangen sind. Seine späteren Ausflüge ins Balladenfach seien ihm großzügig verziehen, denn der Grundstock seiner Kunst ist zeitlos. Dass er auch mit Fremdmaterial vorzüglich umgehen kann, zeigt er auf seiner letzten Platte „Tracks Of My Years“, einer Sammlung seiner Liebligslieder, bei der vor allem seine Version von „God Only Knows“ beeindruckt.

Wenn Bryan Adams als Dauerbrenner bezeichnet werden kann, dann sind Royal Blood Durchstarter. Seit 2013 geht es mit dem Duo aus Brighton steil bergauf. Schlagzeuger Ben Thatcher und Bassist, Sänger und Songwriter Mike Kerr schaffen es, mit der Reduktion einen Höllenlärm zu entfachen und vergessen in der Hölle der harten Riffs aber dennoch nie auf die Melodie. Der Konzerttermin ist eine Erlösung, denn mitten im großen Jännerloch werden Royal Blood am 15. Jänner ihr Debüt in der Wiener Arena geben und uns nicht nur die Kälte austreiben, sondern auch den Vorschusslorbeeren gerecht werden, die ihnen vorauseilen. Wahrscheinlich eine der besten Gelegenheiten, diese Jungspunde noch im kleinen Rahmen zu erleben, bevor sie im Sommer mit den Foo Fighters auf Tour gehen und anschließend die Festivalbühnen entern werden. 

Wucht und Lautstärke waren nie die Waffen von Roddy Frame. Seine Kunst sind die luftigen Popsongs im mittleren Tempos, die den sensiblen Musikfan ansprechen. Sein Debüt in Wien am 19. Februar im gediegenen Rahmen des Theaters Akzent findet mit einer Verspätung eines guten Vierteljahrhunderts statt, aber in dieser Zeit konnten sich die besten Songs des Schotten zu dem entwickeln, was sie heute sind: Leise Klassiker der Moderne. Der Jugendfreund von Edwyn Collins und frühere Vorsteher von Aztec Camera wird solo auftreten und eine Reise durch alle Perioden seines Schaffens anbieten. Freunde von „Oblivious“ oder „Somewhere in My Heart“ werden wohl nicht enttäuscht werden.

Mit „Larger than Life“ ist Kinky Friedman wohl am besten beschrieben. Er war mit Bob Dylan auf der Rolling-Thunder-Tour, er kandidierte 2006 als Gouverneur von Texas, er schrieb eine Serie von Kriminalromanen rund um den New Yorker Ermittler Kinky Friedman, er gründete ein Tierschutzheim und er ist begehrter Gast in allen Talkshows. Vor allen aber schrieb der Jude, Humanist, Romantiker und Freidenker einige der besten (und witzigsten) Songs der Geschichte. Sie werden bei seinem Konzert am 2. März in der Szene Wien zu hören sein: Von „Wild Man From Borneo“ über „Sold American“ bis hin zum ersten Pro-Choice Abtreibungssong der Geschichte „Rapid City, South Dakota“ reicht das Repertoire des Cowboys aus Chicago, der unsere Breiten höchst selten besucht. Das Wort Legende sollte sehr sparsam verwendet werden, bei Kinky Friedman trifft es ohne Wenn und Aber zu. Auch wenn Sie keine Ahnung haben, wer dieser Herr ist, geben Sie ihm eine Chance, denn Charakterköpfe wie er sind eine rare Gattung.

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