EPs werden gerade wieder zum Trend. In einer Zeit, in der ganze Alben oder gar Tonträger ihre Rolle als Souvenir am Merchandising-Stand bei Konzerten gefunden haben, ist die EP ein Lebenszeichen – und zugleich ein Mittel, Aufmerksamkeit für zukünftige Vorhaben zu erzeugen. Ein zusätzlicher Vorteil: Zwischenwerke, die vermeintlich in keinen Albumkontext passen, lassen sich den Fans anbieten und ihre Wirkung unmittelbar ablesen.
Anna Calvi veröffentlicht nun am 24. März die EP „Is This All There Is“ auf ihrem Stammlabel Domino Records. Sie soll den Anfang einer Trilogie bilden, also quasi ein Album auf Raten.
Calvis Karriere lässt sich auf drei Säulen zurückführen. Da sind ihre eigenen Songs, die ihr öffentliches Bild prägen – obwohl sie ihre Stimme erst mit Mitte 20 entdeckte. Denn wer räumt schon mit dem Debütalbum eine Mercury-Prize-Nominierung ab und wird über Nacht von allen Fans (darunter PJ Harvey und Nick Cave) ins Herz geschlossen? Hinzu kommen die Kompositionsaufträge für die beiden letzten Staffeln von Peaky Blinders und für die Robert-Wilson-Stücke „Moby Dick“ und „Der Sandmann“ (nach E. T. A. Hoffmann), die auch nach sieben Jahren am Schauspielhaus in Düsseldorf regelmäßig auf dem Spielplan stehen und noch immer für ein volles Haus sorgen.
Hinzu kommt ihre Auseinandersetzung mit den Songs anderer Künstler. Noch vor ihrem ersten Album machte sie mit den Attic Sessions auf sich aufmerksam. Entstanden sind rohe, dunkle Versionen von Songs wie „Surrender“, das wohl auf ewig mit Elvis Presley assoziiert werden wird, aber von Doc Pomus geschrieben wurde, oder „Joan of Arc“ aus der Feder Leonard Cohens.
Daran knüpft Calvi jetzt mit „Is This All There Is“ an, denn sie nahm zusammen mit Perfume Genius „I See a Darkness“, den Klassiker von Will Oldham / Bonnie Prince Billy, neu auf und verwandelt den Song in ein Gegenstück zur Version von Johnny Cash: Diese gleicht einem Blick in einen tiefen Abgrund und wird hier zu einem Song, der einen Funken Hoffnung in sich trägt, dass die Liebe und nicht die Depression siegt. Die Interpretin lässt sich auf eine Gratwanderung ein und schafft es doch, sich das Lied anzueignen. Ganz andere Gefühlsgefilde eröffnet ihr Duett mit dem Mann, der seine Falten stolz wie kein anderer trägt: Iggy Pop. „God’s Lonely Man“ ist ein klassischer Rocksong, der subtil an „Lust for Life“ angelehnt ist und als Duett perfekt funktioniert. Zusätzlich gibt Calvi einen Teil der Tantiemen an Earthpercent ab, einer Organisation der Musikindustrie, die Projekte rund um das Thema Klimaschutz unterstützt. Wann die Trilogie weitergeht, bleibt offen — dass Calvi den Spannungsbogen hält, steht außer Frage.

Anna Calvi: „Is This All There Is“ (Domino Records)

